Normen & Vergleichbarkeit PDF Drucken E-Mail

Es gibt verschiedene Normen zur Berechnung von Jahresarbeitszahlen, etwa die VDI 4650, deren Werte vom BAFA gefordert werden.

Im Grunde obliegt allen Normen das selbe Problem, sie liefern lediglich eine Prognose. Der berechnete Wert ist keine Jahresarbeitszahl, sondern eine Kennzahl!! Diese Kennzahl wird selbstverständlich von der später gemessenen Jahresarbeitszahl abweichen, je nach Verfahren mehr oder weniger. Die Definition der VDI 4650 als Richtlinie ist alleine schon irreführend.

VDI 4650

Die VDI 4650 Blatt 1 "Berechnung von Wärmepumpen, Kurzverfahren zur Berechnung der Jahresarbeitszahl von Wärmepumpenanlagen - Elektro-Wärmepumpen zur Raumheizung und Warmwasserbereitung" dient als Grundlage der BAFA-Förderung und wurde 2009 novelliert. Wie jede Norm hat auch die VDI 4650 Schwächen und Tendenzen, die von ihren Erschaffern vorgegeben werden:

Die berechneten Kennzahlen fallen in der Regel viel zu optimistisch aus. Als Grundlage werden zwar die COP-Werte der DIN EN 255-3 und DIN EN 14511 verwendet, das Berechnungsverfahren lässt aber Spielräume z.B. bei den Randbedingungen zu. Damit lassen sich nicht förderfähige Wärmepumpen in den Bereich der Förderung rechnen oder mittelmäßige Wärmepumpen in den Bereich des Innovationsbonus bringen. Möglich wird dies mit verschiedenen "Tricks":

  • eine günstigere Prognose der benötigten Heizwassertemperatur oder der Quellentemperatur
  • veränderter Warmwasseranteil
  • Korrektur der Norm-Außentemperaturen
  • Veränderung des Deckungsanteil bei bivalentem Betrieb über Tabellen
  • teilparallele Betriebsweise statt parallele

Die Berechnung der Jahresarbeitszahl nach VDI 4650 kann bei gleichen Randbedingungen deutlich verschiedene Ergebnisse liefern! In der Konsequenz hat dies laut BWP zu Anträgen mit JAZ von 5,5 für Luft/Wasser-Wärmepumpen und 7,8 für Sole/Wasser-Wärmepumpen geführt. Das BAFA sah sich darauf hin veranlasst, einen Nachweis des COP von 4,7 (ohne Definition!) von einem neutralen Prüfinstitut bzw. über das EHPA-Gütesiegel als Grundlage zur Förderung über die VDI 4650 zu verlangen.

Auffällig sind auch anderen Normen widersprechende Betriebspunkte, die mit der Richtlinie VDI 4650 eingeführt wurden und zur Benachteiligung etwa der Direktverdampfung führen. Das geht soweit, dass neue Direktverdampfungs-Wärmepumpen gar nicht mehr gefördert werden können, da die verlangten Betriebspunkte europäischen Normen entsprechend nicht mehr vermessen werden.

DIN EN 15316

Die seit Dezember 2008 gültige DIN EN 15316-4-2:2008-09 (D) dient ebenso zur Berechnung von Jahresarbeitszahlen, dafür kann ein ausführliches Verfahren oder ein Kurzverfahren angewendet werden. Allerdings findet die Norm in der Praxis bisher kaum Verwendung.